Interkultureller Austausch in der Welcome Lounge

Der Duft von Kaffee und Spekulatius durchzieht die Welcome Lounge am Wiesendamm. Am Kickertisch herrscht reges Treiben, gerade ist ein Tor gefallen. In der Sofaecke des Aufenthaltsraumes sitzen 15 Geflüchtete aus Eritrea mit dicken Mappen und Ordnern auf dem Schoß. Sie warten auf Al-Amin, den Sprachmittler für ihre Muttersprache Tigrinya. Ohne ihn können sie sich über die komplizierten Behördenangelegenheiten mit den Helferinnen und Helfern von Welcome to Barmbek gar nicht oder nur schwer verständigen. Eritreische Geflüchtete während eines gemeinsamen Frühstücks bei Fragen rund um Amtsgänge oder die Job- und Wohnungssuche zu beraten: Das war die ursprüngliche Idee von Welcomer Ulli, als er den interkulturellen Austausch zusammen mit Mürsel vom Projekt Globus im Herbst 2015 am Dulsberg ins Leben rief. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die Männer und Frauen oft dringlichere und grundlegendere Anliegen haben: Es geht vielfach um Kommunikationsprobleme und Verständigungsschwierigkeiten in den Unterkünften und in der letzten Zeit sehr oft um die Verhinderung von Abschiebungen nach der Dublin-III-Verordnung. Diese regelt, dass ein Geflüchteter in dem Staat Asyl beantragen muss, in dem er die EU erstmals betreten hat. Meist ist das Italien, wo die Versorgung der Geflüchteten sehr schlecht ist und in vielen Aufnahmelagern unzumutbare Zustände herrschen. Gemeinsam mit Al-Amin sowie Studierenden der Uni Hamburg, die an dem Projekt im Rahmen eines Praktikums oder eines Seminars teilnehmen, hören die Helferinnen und Helfer von Welcome to Barmbek den Menschen zu. Sie erklären ihnen die Briefe, die sie vom Amt erhalten haben, setzen Schriftstücke für sie auf, führen Telefonate und begleiten sie zu Ämtern und Ärzten. Finanziert wird das Projekt aus dem Verfügungsfonds Flüchtlingshilfe des Bezirks Hamburg-Nord. Die Nachfrage ist groß. So groß, dass der Raum, den die Zinnschmelze für den Frühstückstreff montagvormittags zur Verfügung gestellt hatte, mittlerweile zu klein geworden ist und ein zweiter Termin am Donnerstagnachmittag eingerichtet wurde. Seit dem 14. November findet der interkulturelle Austausch daher in der Welcome Lounge statt. Immer montags in der Zeit von 10 bis 12 Uhr sowie am Donnerstag von 15.30 bis 17.30 Uhr sind Al-Amin, Helga, Marvin, Ulli und andere vor Ort und beantworten Fragen. Einige der Geflüchteten kommen regelmäßig und bereits über Monate hinweg zu den Treffen. „Hier wird ihnen zugehört, hier fühlen sie sich verstanden oder können auch einfach nur miteinander abhängen“, erklärt Ulli. Inzwischen hat der interkulturelle Austausch am Donnerstag oft mehr als 30 Besucherinnen und Besucher. Mit viel Einsatz und Engagement setzt sich die Gruppe für die Rechte der Geflüchteten ein und vermittelt sie an Organisationen und Kooperationspartner, die ihnen bei ihren spezifischen Anliegen weiterhelfen können. Mit Erfolg: So hat das Team vom interkulturellen Austausch unter anderem erreicht, dass sich in einer Erstunterkunft die eritreischen Bewohner nun alle zwei Wochen mit einem Dolmetscher treffen, um ihre Interessen besser vertreten zu können. Und in mehreren besonders schwierigen Fällen konnte das Team ein Kirchenasyl für Geflüchtete erwirken.